MIND

Warum Manager ins Kloster gehen

Die Kraft der Stille

Der Rückzug ins Kloster ist für viele Manager inzwischen zu einer heilsamen Zeit der Kontemplation geworden. Tage des Schweigens, die es ermöglichen, die Sinne nach Innen zu lenken und wieder den Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Smartphone, Tablet und TV bleiben in dieser Zeit aus. Lange Spaziergänge in der Natur und die Muße, ein gutes Buch zu lesen, lassen den angestauten Stress allmählich abfallen und füllen die Energiereserven wieder auf. Die spirituelle Umgebung empfinden dabei viele als wohltuend beruhigend. Es sind vor allen Dingen die zurückkehrende Gelassenheit, die innerlich stärkt und neue Kraft und Klarheit für den Führungsalltag gibt.

Schweige-Seminare, Achtsamkeit-Trainings und Meditations-Kurse erleben einen regelrechten Boom. Wer heute spontan im Kloster einen Platz sucht, findet häufig den Hinweis „ausgebucht“. Noch vor zehn Jahren unpopulär, sind heute selbst die Personalentwickler in Firmen auf der Suche nach alternativen Angeboten, die ihre Entscheider-Riege mit mehr Resilienz und einer verbesserten Selbststeuerungskompetenz ausstattet. Gerade in Sandwich-Positionen ist der Performance-Druck für Führungskräfte hoch, doch auch Unternehmer und Selbständige kommen mit ihrem traditionellem Wissen des Selbstmanagements an ihre Grenzen, um die gestiegenen Ansprüche und Herausforderungen abfedern zu können.

Eine Privatbank lud vor einiger Zeit zu einem inspirierenden Talk zum Thema Selbstführung und Zen-Meditation ein. Der Impulsvortrag von Marlies und Helmut Rümke konzentrierte sich auf die Frage, wie ein Leben im Spannungsfeld zwischen Hochleistung und Gesundheit gelingen kann. Wie können wir dem täglichen Druck und der vertrauten Stress-Spirale entkommen? Wie finden wir wieder zu mehr Balance und Lebensqualität?

Das Paar zeigte auf, wie Meditation und Atemarbeit helfen, Körper und Geist in der „Mitte“ zusammen zu halten. Kleine, praktische Übungen zwischendurch machten deutlich, wie unmittelbar sich die Atemarbeit auf den Energie- und Gedankenfluss einwirkt und zu einer inneren Justierung und Ruhe führt.

Gute Führung beginnt zu allererst bei sich selbst – und das bedeutet, den Fokus anfänglich nach Innen zu richten. Meditation und Atemarbeit geben Kraft, Orientierung und Raum für klares Denken. Auch der Schlaf verändert sich und wird wieder zu einer erholsamen Energiequelle. Das Ziel: „Aus einer inneren Stärke heraus einen guten Umgang mit den täglichen Herausforderungen zu finden. Das erfordert Übung, einen realistischen Umgang mit Stress und viel Intuition“, so Marlies Rümke.

Für Helmut Bauer, Geschäftsführender Gesellschafter der HWB Unternehmerberatung, ist die Zen-Meditation seit mehr als neun Jahren eine wichtige Kraftressource. Über seinen Freund Helmut Rümke lernte er Zen kennen und die Möglichkeit, innere Ruhe und Energie durch Meditation zu gewinnen. Auch heute noch zieht er sich zwei mal im Jahr in die Stille des Klosters für ein Wochenende zurück und genießt die Auszeit von E-Mail und Handy.

Innere Ruhe durch Meditation gewinnen

– Helmut Bauer

Meditation verbindet damit auf schöne Art und Weise die Kraft der Stille mit der natürlichen Wirkung des Atmens. Eine uralte, in den Weltreligionen verankerte Methode, die schon immer dazu diente, den Geist zu beruhigen und Energie zu schöpfen. Medizinische Studien belegen die positiven Wirkungen auf die Gesundheit: der Alterungsprozess im Gehirn wird verlangsamt, die Stress-Resistenz steigt, die Schlafqualität verbessert sich und das Immunsystems wird gestärkt. Darüber hinaus soll das neuronale Netz im Gehirn angeregt werden, sich neu zu verzweigen, so dass uns eine schnellere Lösungskompetenz zur Verfügung steht.

Sabine Lueder ist Editorial Director des Online-Magazins DetoxDeluxe sowie Expertin für mentale Selbstführung

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