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Fokus als Erfolgsfaktor

Im Gespräch mit Matthias Knossalla, Profi Ironman® Triathlet, Keynote Speaker & Unternehmer

Fokus ist für den Spitzensportler Matthias Knossalla nicht nur ein essentieller Erfolgsfaktor, sondern Teil eines erfolgreichen Mindsets. Seiner Meinung nach wird die Bedeutung von Fokussierung unterschätzt. Viele betrachten Fokussierung nur als ein Anhängsel der Motivation. Doch Fokus besitzt seinen ganz eigenen Wert.

Warum ist der Faktor, einen Fokus zu bilden, so essentiell für den Erfolg, Herr Knossalla?

Für mich als Profi-Sportler ist Fokussierung essentiell. Alles beginnt einmal mit einem Traum oder einer Vision, so wie es meiner war, den Ironman auf Hawaii zu laufen. Viele Menschen haben eine großen Traum, doch nur wenige bringen die Motivation auf, zu beginnen und sich in Richtung des Traumes fortzubewegen. Dazu braucht es Ziele. Denn ein Traum ist noch kein Ziel. Bei einem Ziel muss ich wissen, wann ich es erreicht habe. Ich muss es jemanden erzählen können und jemand muss beurteilen können, ob ich es erreicht habe. Wenn man soweit ist, dass man nicht nur den Traum hat und motiviert ist, sondern anfängt sich Ziele zu setzen, dann wird irgendwann Fokus entscheidend. Denn Fokus hilft, dieses Ziel zu erreichen. 

Wenn wir anfangen, uns Ziele zu setzen, wird Fokus entscheidend. Denn Fokus hilft, unsere Ziele zu erreichen.

Die Kunst der Fokussierung hat also etwas mit Motivation und Vision zu tun. Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die größten Hürden oder Widerstände, um Fokus zu bilden oder auch Fokus zu halten?

Ich glaube, Fokus ist nicht möglich, wenn man kein großes Ziel hat. Der Erfolgs-Autor Stephen Covey sagte einmal „The main thing is to keep the main thing the main thing“. Bei den ganzen Ablenkungen, die auf uns einprasseln und den Möglichkeiten, die wir haben, ist Fokussierung eine echte Herausforderung und deswegen umso wertvoller. Dabei spielt die Motivation eine große Rolle. Ohne Motivation kein Fokus. Das der Weg dahin kein Selbstläufer ist und von Rückschlägen geprägt sein wird, ist normal. Rückschläge werden kommen. Ein schönes Beispiel ist das Zwei-Stunden-Marathon-Projekt. Die Wissenschaft war sich über Jahrzehnte einig, das ein Mensch einen Marathon von 42,195 km nicht unter zwei Stunden laufen kann. Dem Marathon Weltrekordhalter Eliud Kipchoge gelang es 2019 in Wien. Nach jahrelangem Training zeigte er der Welt, was bis dahin als unmöglich galt. Dabei erlitt er den härtesten Rückschlag zwei Jahre zuvor. Bei seinem ersten Versuch verfehlte er sein Ziel um nur 26 Sekunden. 26 Sekunden, stellen Sie sich das mal vor! Nach -zig Monaten härtestem Training und Millionen von Einsatz verfehlte dieser Mann sein Ziel. Was machte Kipchoge? Er blieb weiter dran, lernte aus seinen Rückschlägen und bewies damit allen das Gegenteil. Dieser Mann ist ein schönes Beispiel für: Motivation, Ziel setzen, Fokus bilden und den Umgang mit Rückschlägen. Und es zeigt den Wert von Fokus.

Sie selbst haben in Ihrer Sportlerkarriere viele Höhen und Tiefen erlebt. Wie haben Sie den Fokus halten können? 

Am Anfang war die Hawaii-Qualifikation ein Traum, später ein Ziel. Es gab riesige Rückschläge. Es gab Operationen und-  ähnlich wie bei Kipchoge – verpasste ich in einem Jahr die Qualifikation um 47 Sekunden. Das war deprimierend und warf mich zurück. Trotzdem verlor ich nie meinen Fokus, weil das Ziel so verankert bei mir war. Das hat etwas mit der inneren Motivation zu tun. Motivation hilft, den Fokus zu halten.

Hören Sie das vollständige Interview mit Matthias Knossalla in der Podcast-Reihe MINDSET FIRST (Klick aufs Cover). Die Podcast-Reihe finden Sie auch unter mindset-first.de

Für Sie ist die Fähigkeit, einen Fokus zu bilden, ein wesentlicher Aspekt eines erfolgreichen Mindsets. Damit sagen Sie: Fokus ist wichtig, zugleich ist es eingebettet in etwas Größeres. Können Sie uns einen kleinen Ausblick auf das geben, was noch zählt oder was ein erfolgreiches Mindset ausmacht?

Fokus ist ein wichtiger Aspekt eines erfolgreichen Mindsets, aber darüber hinaus zählen auch Mut,  Begeisterungsfähigkeit, die Haltung „start unready“ sowie Unerbittlichkeit. Lassen Sie mich das ein wenig ausführen. 

Mut ist ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Mindset. Warum? Weil es Mut braucht, überhaupt zu beginnen.

Mut ist ein entscheidender Faktor. Warum? Weil es Mut braucht, überhaupt zu beginnen. Es bedeutet, sich den eigenen Ängsten, Unsicherheiten und Ungewissheiten zu stellen. Hinzu kommt, wenn ich mich entwickeln will, wenn ich etwas verfolgen will, dann muss ich zielgerichtet und fokussiert handeln. Wenn ich abends ins Bett gehe, muss ich die Gewissheit haben, heute meinem Ziel ein Stückchen näher gekommen zu sein. Wie klein auch immer dieses Stück sein mag. Das ist sekundär. Aber ich muss wissen, das ich auf dem richtigem Weg bin.

Eine weitere Eigenschaft ist für mich Begeisterungsfähigkeit. Niemand von uns kann ein großes Ziel alleine erreichen. Wenn ich fähig bin, mich selbst und andere mit meiner Art und meiner Idee zu inspirieren, dann ist das ein großer Pluspunkt. 

Einer der bedeutsamsten Aspekte ist für mich jedoch die Haltung „start unready“. Damit geben wir uns selbst die Erlaubnis, entlang des Weges zu lernen und nicht schon von Beginn an perfekt sein zu müssen. Viele von uns denken anfänglich, dass wir noch nicht gut genug sind, dass wir vorher noch dieses machen oder jenes lernen müssten. Uns beschleicht eine Form von Unsicherheit, aber im Zweifel werden wir uns uns nie zu 100% bereit fühlen. Und wenn wir uns zu 100% bereit fühlen, dann ist vielleicht die Chance oder die Möglichkeit vertan. „Start unready“ heißt: fang an und akzeptiere, nicht perfekt zu sein. Der Weg selbst wird Dich lehren, was immer Du noch brauchst oder wissen musst, um immer einen Schritt weiterzukommen. Ich muss mir das selbst auch immer wieder sagen. Aktuell steht für mich eine Keynote vor 500 Menschen an. Habe ich das schon mal gemacht? Nein. Irgendwann ist immer das erste Mal und dann heißt es: springen. 

Darüber hinaus gibt es für mich einen weiteren essentiellen Aspekt für ein erfolgreiches Mindset und der heißt „sei unerbittlich“. Unerbittlich meine ich im Sinne von: Du musst es wirklich wollen. Unerbittlichkeit schafft die Bereitschaft, Kompromisse zu machen. Für mich als Profi-Triathlet heißt das, wenig Zeit für Freunde und Familie zu haben und auch keinem anderen Hobby nachgehen zu können. 

Jeder von uns hat nur 24 Stunden Zeit am Tag, und die Frage ist: was mache ich daraus? Was will ich erreichen? Unerbittlichkeit stärkt den Fokus und ist ein wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Mindset.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Knossalla.

3 Tipps, wie Sie Ihren Fokus finden und halten:

  • Finden Sie Ihr großes Ziel im Leben und verankern Sie es fest!
  • Gehen Sie mit einem ersten Schritt auf dieses Ziel zu. Egal, wie klein oder groß dieser Schritt auch sein mag, denn er bringt Sie Ihrem Ziel näher
  • Ihr Fokus wird sich schärfen, je weiter Ihre Motivation steigt. Setzen Sie sich kleine Zwischenziele auf dem Weg zum großen Ziel – dies stärkt Ihre Motivation und Sie erkennen, ob Sie weiterhin auf dem richtigen Weg zu Ihrem großen Ziel sind.

Zur Person:

Matthias Knossalla ist professioneller Ironman® Triathlet, Keynote Speaker & Unternehmer. Obwohl er erst mit 25 Jahren mit dem Sport begann und weder Kraulschwimmen konnte, geschweige denn ein Rennrad besaß, ist er 2017 deutscher Meister als Trainer und im selben Jahr dt. Vize-Meister als Athlet geworden. Matthias steht zudem als Keynote Speaker auf Bühnen mittelständischer- sowie großer Unternehmen und spricht zu den Themen “Ziele & Umsetzung”. 2015 hat Matthias das Coaching Unternehmen trivolution-training.com ins Leben gerufen, dass mittlerweile aus elf Coaches besteht und einer der großen Anbieter im Ausdauersport-Coaching im deutschsprachigen Raum ist. 2019 gründete Matthias Knossalla, gemeinsam mit seiner Frau Susanne, die necstwerk GmbH, die es sich mit einem zehnköpfigen Team zum Ziel gesetzt hat, die Erfahrungen aus vielen Jahren Spitzensport und der Business-Welt zu bündeln und unter den Aspekten Unternehmensberatung & Teamentwicklung mittels Seminaren, Trainings und Coachings an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen weiterzugeben. Aktuell arbeiten die beiden gerade an ihrem ersten gemeinsamen Buch, dass sich an junge Menschen richtet, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchten. Das Buch wird Ende Juni im Handel erhältlich sein.

matthiasknossalla.com

Das Interview führte Sabine Lueder, Editorial Director des Online-Magazins DetoxDeluxe

Fotos: © Matthias Knossalla