Body

Im Gespräch mit Profi-Tänzerin Tanja Villinger

Tanzen stärkt unsere Persönlichkeit

Unser Körper spiegelt uns verlässlich, wie wir über uns selbst denken und wie es uns geht.

Tanja, was haben Tanz und Persönlichkeit miteinander zu tun?

Tanz und Persönlichkeit haben viel miteinander zu tun. Das eine bedingt das andere. TYBAS, der Name meiner Tanzschule, steht für „Trust your Body & Soul“ – eine Philosophie, die überall bei uns mitschwingt.

Im Tanz lernen wir, was der Körper tun soll und das wirkt sich auf den Geist aus. Aber auch andersherum: über das Mentale können wir den tänzerischen Ausdruck verfeinern. Unsere geistige Haltung drückt sich über den Körper aus. Jemand, der sich innerlich groß fühlt, spiegelt dies auch in der Körperhaltung wider. Jemand, der sich klein fühlt, kann durch die Arbeit mit dem Körper die eigene Größe entdecken.

In jedem Unterricht geht es auch darum: wie stelle ich mich hin, wie bekomme ich mehr Selbstbewusstsein, wie erzeuge ich Energie im Raum… Wie schaffe ich es, mich wohl zu fühlen, mich nicht mit den anderen zu vergleichen, bei mir zu bleiben, meine eigenen Ziele zu definieren, den Fokus zu halten!

Sich in seinem Körper zu befinden, ist elementar. Gerade für Führungskräfte. Es ist sehr auffällig, dass Menschen, die sich früh mit Tanz auseinandergesetzt haben, ein anderes Körperbewusstsein besitzen. Das bleibt ein Leben lang, es schafft eine stabile Basis. Tanzen schafft Anlagen. Trotzdem kann Tanz, egal in welchem Alter man es anfängt, noch etwas bewirken.

Durch das Tanzen finden wir zu einem neuen Ausdruck und zu Selbstwertschätzung

Durch das Tanzen finden wir zu einem neuen Ausdruck und zu mehr Selbstwertschätzung

Durch Tanzen integrieren wir uns anders in den Körper. Wir fangen an, uns zu spüren. Es ist das eine, reines Muskeltraining zu machen oder im Tanz einen Zugang zur inneren Ausrichtung des Körpers zu finden. Tanzen hat ganz viel mit den inneren Muskeln zu tun, mit Spannung und Verbindung – von der Fingerspitze bis zur Fußzehe. Durch das Beschäftigen mit dem Körper, durch das „sich fühlen“, bekommen wir wieder mit, was der Körper uns zu bieten hat. Und wie sehr der Körper den ganzen Tag für uns da ist. Unser Körper spiegelt uns verlässlich, wie wir über uns selbst denken und wie es uns geht.

Gerade wenn man gestresst ist, spürt man häufig seinen Körper nicht mehr. Wir schalten ihn einfach ab (oder betäuben ihn), möglicherweise auch, weil uns die Konsequenzen verunsichern oder überfordern. Man schiebt einfach beiseite, dass man sich müde und kaputt fühlt, dass es Zeit wäre, Grenzen anders zu setzen oder eine Veränderung anzustoßen. Wir unterdrücken es und die unangenehmen Gefühle gleich mit.

Wenn wir durch dem Tanz wieder mit uns in Kontakt kommen, und auch wieder richtig atmen – was die meisten Menschen nicht mehr wirklich machen – wenn man also wieder lernt, bei einer Bewegung bewusst ein- und auszuatmen, wir unseren Atem mit einem Fluss zu verbinden, dann bringt uns das zurück zu uns.

Der Körper sagt einem verlässlich, wo wir gerade stehen. Oft spüren wir das nicht mehr. Durch den Tanz bekommen wir einen anderen Bezug und wir können anders für uns sorgen. Mit sich wieder im Kontakt zu sein, bedingt, sich wieder liebevoller um sich selbst zu kümmern. Die Ernährung wird sich verändern, einfach weil wir uns anders wertschätzen.

Du tanzt und plötzlich verändert sich das Leben. Dein Selbstbewusstsein, Dein Körpergefühl, Dein Ausdruck.

Tanzen fördert Mut, Umsetzungsstärke und ein Gefühl für das Umfeld

Tanzen stärkt Mut und Umsetzungsfähigkeit. Denn es braucht Mut, aus dem, was man innerlich spürt, Konsequenzen zu ziehen. Choreographien leben von Kraft, Klarheit und Struktur. Von einem Timing. Wer das beherrscht, kann diese Kompetenz auch in andere Lebensbereiche anwenden.

Eine Sache, die Tanz ganz hervorragend leistet, ist ein Gefühl für das Umfeld aufzubauen. Nach Abschluss meiner Tanzausbildung arbeitete ich zwei Jahre als Tänzerin. Danach studierte ich. Ich erlebte mich in einem völlig neuen Umfeld. Mit Menschen, die sich nicht mit ihrem Körper beschäftigen, mit ihrer Stimme oder ihrem Ausdruck. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um ihnen nahe zu kommen, weil mir ihr „Sosein“ fremd vorkam. Es fehlte ihnen eine Wahrnehmung für den Raum: wo stehen die Menschen, wie bewegen sie sich und was passiert eigentlich gerade energetisch?

Im Tanz lernt und arbeitet man immer in Gruppen. Das Gewahrsein Mensch und Raum wird dadurch enorm verfeinert: wer ist eigentlich der andere? Was passiert da eigentlich? Das ist Kommunikation ohne Worte.

Eine Fähigkeit, die der Tanzunterricht eher subtil vermittelt und eine Kompetenz, von der Führungskräfte und Teams enorm profitieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Tanja Villinger verwirklichte mit der Gründung des Tybas Dance Center ihre eigenen Ideen und Träume. Die Hamburgerin ist ausgebildete Tänzerin mit Erfahrungen im In- und Ausland, darüber hinaus studierte sie Medien-, Sport und Eventmanagement. Auch heute ist ihr noch wichtig, als Tänzerin auf der Bühne zu stehen und als Choreographin zu arbeiten.

Das Gespräch führte Sabine Lueder, Editorial Director des Online-Magazins DetoxDeluxe

Fotos: ©Tanja Villinger, Tybas Dance Center Hamburg, ©AlexanderY@stock.adobe.com

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